Gemeinde Rödelsee

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Erhaltung der "Historischen Kelter" im Innenhof von Schloss Crailsheim - Wir brauchen Ihre Meinung und Ihre Ideen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
 
die „Historische Kelter“ im Innenhof von Schloss Crailsheim ist dort seit den 1960er Jahren nicht mehr wegzudenken. Viele von uns haben Erinnerungen daran, sei es als Spielplatz oder als Hintergrund von Familienfotos udgl. Der „Zahn der Zeit“ hat an der Kelter genagt, wobei eine Sanierung kein großes Problem darstellt.
 
Wir wollen aber nun auch eine Entscheidung treffen, was getan werden soll und welcher Standort optimal für die Kelter ist.
 
Der aktuelle Standort hat seinen Reiz, weil sich viele einfach nicht vorstellen können, dass die Kelter irgendwo anders steht. Aber das sollte kein Hindernis sein, auch andere Überlegungen anzustellen.
 
Die Nachfrage beim Landesamt für Denkmalpflege und beim Bezirk Unterfranken hat gezeigt, dass es kein „Denkmal“ ist und erst eine Anfrage bei unserem Kreisheimatpfleger Reinhard Hüßner hat etwas Licht in die Sache gebracht.
 
Der frühere Kellermeister Richard Rabenstein hatte ihm einmal erzählt, dass er die einzelnen Kelterbestandteile an einem Straßenrand zufällig entdeckt und mitgenommen habe. Bei welcher Ortschaft das war, ist nicht bekannt, jedenfalls nicht Rödelsee. Herr Rabenstein war sehr stolz, dass er die Kelter gerettet hat und im markanten Schloßhof aufstellen konnte.
 
Herr Hüßner hat ergänzend hierzu über die Historie der Weinkelter nachgeforscht:
 
Aufbau:
Es handelt sich um eine sog. „Dockenkelter“ oder „Spindelkelter“. Die erste Bezeichnung rührt von den beiden massiven senkrechten Balken her, die man als „Docken“ bezeichnete. Der Begriff Spindelkelter ist auf die prägnante Holzspindel zurückzuführen. Damit wird der Hauptunterschied zur viel größeren sog. „Baumkalter“ genannt (wie es in Württemberg und Südtirol noch viele gibt). Darauf wird hier nicht näher eingegangen (kann aber jederzeit geliefert werden) Die handwerklich hergestellte Kelter ist überwiegend aus Eichenholz gefertigt. Für die umfangreichen Holzarbeiten waren die Zimmerleute zuständig, für die eisernen Bestandteile der Dorfschmied.
 
Die Kelter zeigt heute das Aussehen und die Bestandteile einer sog. Spindelkelter wie in über 90% aller mir bekannten Fällen: Es fehlen die sogenannten Setzbretter (vier Stück zum Aufstellen im Biet) und der Tremmel (Stange zum Drehen der Spindel). Die Setzbretter wurden das Jahr über außerhalb der Kelter gelagert, weshalb sie kaum erhalten sind. Für manche Keltern wurden Setzbretter rekonstruiert, wie z. B. im Kirchenburgmuseum. Ein Tremmel ist halt sperrig, kann aber leicht ergänzt werden.
 
Wenn man ganz genau sein möchte, dann fehlen auch noch der sog. „Galgen“, an dem ein Halteseil zur leichteren Handhabung des Tremmels befestigt war und ein „Tummelbaum“. Das können wir aber vernachlässigen.
 
 

 
 
 
Bedeutung:
Die Kelter ist auf einer Eisenspange an der sog. „Keltermutter“ (der obere Balken zwischen den senkrechten Docken) auf 1660 datiert.
 
 Die Kelter entstand also im Zuge der Erholung von den Verwüstungen des schrecklichen 30-jährigen Krieges. Es gab seinerzeit einen beachtlichen Aufschwung, auch im Weinbau. 1659 wurden die ersten Silvaner-Reben in Castell gepflanzt und im Weinausbau sorgten neue, leistungsfähige „Dockenkeltern“ für eine verbesserte Qualität. Diese Entwicklung bestätigt eindrucksvoll die Rödelseer Kelter von 1660.
Die Kelter repräsentiert gleichzeitig den Keltertyp, der in größeren Weinbaubetrieben (Klöster, Guts- und Meierhöfe) Verwendung fand. Für kleinere Betriebe und Häcker war nicht nur der Kostenaufwand zu hoch, sondern es fehlte der Platz für die Aufstellung, und für die relativ geringen Mengen genügten kleinere Exemplare. Ein solches (immer noch relativ großes) Beispiel zeigt das Kirchenburgmuseum.
 
 
 
 
Keltern in Rödelsee
 
Mitten im Dorf auf einer Insel stand die Burg. Sie gehörte seit dem Jahre 1280, sicher aber schon bedeutend früher, den Herren von Hohenlohe und wurde von ihnen zu Lehen an verschiedene Ritter verliehen (Zeißner, Rödelsee). Der dazugehörige „Bauhof“ (= Gutshof zur Versorgung der Burgbewohner) bestand 1524 aus zwei Häusern und einer Scheune (= heutige Bebauung des Schloßhofes, also Bank und ehem. Kelterhaus). Aus Beispielen wissen wir, dass zu solchen Bauhöfen grundsätzlich ein Kelterhaus zw. Kelterraum zählte zur Verarbeitung der Zehnttrauben und weiteren Trauben als Naturalabgaben bzw. -steuern. In den 1524 genannten Häusern und Scheune war sicherlich auch ein Kelterhaus untergebracht.
 
Im schon 1340 genannten Ebracher Hof standen sicherlich auch schon frühzeitig Keltern und 1747 wird „von einer Wiesen oder Grasgarten hinter der „Kaltern“ berichtet (Ebracher Lehen Buch von 1747). Mit „Kaltern“ ist das Kelterhaus im Ebracher Hof gemeint. Fünf Jahre später, 1752, erfahren wir Genaueres. Es wird erwähnt, dass „in dem einstöckigen Nebenbau ein geräumiges Kalterhaus mit vier Kaltern, sowie eine Stallung für Pferde und Hornvieh“ eingerichtet waren (Zeißner, Rödelsee, Seite 28). Die Bedeutung für den Ebracher Weinbau in Rödelsee bezeugen die immerhin vier (!) Dockenkeltern, die zur Verarbeitung des Lesegutes benötigt wurden.
 
Ergebnis:
Die historische Kelter in Rödelsee von 1660 repräsentiert sowohl die allgemeine Entwicklung im fränkischen Weinbau nach dem 30jährigen Krieg, als auch die Verhältnisse in Rödelsee (vgl. Ebracher Hof) beispielhaft. Die Kelter zeigt sich relativ gut erhalten. Die fehlenden Teile könnten ohne größeren Aufwand mit handwerklichen Mitteln ergänzt werden.
 
Reinhard Hüßner
 
Liebe Mitbürger/innen,
 
ein Rückbau der Kelter ist zunächst grundsätzlich erforderlich, um die notwendigen Reparatur- und Sanierungsarbeiten zu leisten. Auf- und Abbau kosten ca. 10.000 EUR. Wie viel die Maßnahmen dann selbst kosten, bis die Kelter als solches komplett wieder steht, darüber kann nur spekuliert werden. Wir dürfen aber von weiteren 10.000 – 20.000 EUR ausgehen.
 
Die beiden Platanen neben der Kelter sind zu groß geworden, die Wurzeln heben das Gelände ringsherum an und drücken so auch von unten und von den Seiten gegen die Kelter. Zudem wurde bei beiden Bäumen eine Stammfäulnis festgestellt, die dazu führt, dass die Platanen regelmäßig zurückgeschnitten und in absehbarer Zeit gefällt werden müssen.
 
Auch der hölzerne Überbau stellt nicht wirklich eine schöne Umrahmung dar und es sollte auch hier eine neue, moderne Lösung gefunden werden, die der Kelter mehr Ausdruck verleiht.
 
Für mich persönlich stellt sich nicht die Frage, dass die Kelter saniert wird und damit erhalten bleibt, jedoch die Frage wo die Kelter künftig stehen und wie dieser Platz gestaltet werden soll. Es gibt hierbei keine Tabus, die Kelter ist „erst“ seit knapp 60 Jahren an ihrem für viele von uns so gewohnten Platz. Vielleicht sollte man zum Schutz der Kelter und zur besseren optischen Darstellung auch andere Plätze in Betracht ziehen.
 
Wir freuen uns jedenfalls auf Ihre Vorschläge zur Zukunft der Kelter, die wir gerne in die Diskussion in den Gemeinderat einbringen. Schreiben Sie oder mailen Sie uns oder rufen Sie an unter 09323 8715-333. Unter allen Einsendungen verlosen wir 10 Rödelsee-Gutscheine. Einsendeschluss ist der 30.11.2025.
 
Vielen Dank, Ihr Burkhard Klein, 1. Bgm.
 
 

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